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Evans Calftone vs. Adoro Heritage

Evans Calftone vs. Adoro Heritage: Welches Synthetik-Kalbsfell überzeugt wirklich?

Wer gerne das Klangerlebnis echter Kalbsfelle auf seinen Drums möchte, ohne auf die Vorzüge moderner Kunststofffelle verzichten zu wollen, steht vor einer überschaubaren, aber interessanten Auswahl. Zwei Namen stehen dabei im Mittelpunkt: die Evans ’56 Calftone und die Adoro Heritage. Beide versprechen warmen, organischen Ton – doch in der Praxis zeigen sich deutliche Unterschiede.

Evans Calftone: Klanglich überzeugend, aber dauerhaft problematisch

Die Evans ’56 Calftone sind seit ihrer Einführung 2016 beliebt bei Jazz- und Vintage-Drummern. Das 7-Mil-Mylar-Basisfell mit synthetischer Faserbeschichtung liefert einen warmen, fokussierten Ton mit reduzierten Obertönen – ideal für klassisches Bebop-Tuning (MusicRadar). Klanglich kann das Fell also punkten.

Das große Problem ist die Haltbarkeit. Viele Drummer berichten seit Jahren von Blasen- und Faltenbildung, teils bereits nach wenigen Gigs. (Drum Forum) Ein Nutzer schildert, wie sein Calftone-Fell auf der Snare beim ersten Gig schon nach einer Stunde Blasen warf und das Besenspiel zunehmend erschwerte. Selbst Garantietausche führten zum gleichen Ergebnis – das Problem scheint konstruktionsbedingt zu sein. Wer viel mit Besen spielt, riskiert also, dass die Oberfläche die Bürstendrähte einfängt.

Eine Hand, welche ein Stück der Fasermischung hält, aus denen die Heritage-Felle gefertigt sind.
Das Heritage Fell besteht aus einer patentierten Fasermischung, welche die besten Eigenschaften von Naturfellen mit den Vorzügen der Kunstfelle verbindet, ohne deren Nachteile: Stimmstabil, tief und leicht stimmbar, hervorragender warmer Klang.

Adoro Heritage: Stabiler, tiefer, echter

Die Adoro Heritage Felle gehen den gleichen Weg – synthetisches Kalbsfell-Imitat – lösen aber die bekannten Schwachstellen. Hier fehlt die bei Evans und Remo übliche zusätzliche Lage Fasern, die folglich auch nicht zerspielt werden können. Das Fell selbst besteht aus einer dünnen Lage einer patentierten Fasermischung, aufgeraut für Besenspiel.  Laut Drummer Chris Redus, der das Fell ausführlich auf seinem Ludwig-Kit aus den 50ern getestet hat, klingt das Fell deutlich weniger nach Plastik als seine Mitbewerber. Der Anschlag ist weicher und abgerundeter, die Höhen rollen auf eine angenehme Art ab, und der Gesamtklang erinnert ihn an den Unterschied zwischen Kondensator- und Bändchenmikrofon: satt, warm, dunkel.

Entscheidend ist aber vor allem: Die Adoro Heritage Felle entwickeln keine Falten oder Blasen – ein direkter Vorteil gegenüber Evans Calftone und Remo Fiberskyn. Dazu kommt, dass sie sich deutlich tiefer stimmen lassen als herkömmliche Synthetikfelle, ohne dabei an Klangqualität einzubüßen. Für Studio-Drummer, die ein Set für lange Zeit montiert lassen, ist das ein erheblicher Vorteil. Dabei klingen die Heritage Felle nicht nur authentischer, wärmer, dabei offener, sondern sind auch noch günstiger, im direkten Vergleich zu den Calftone-Fellen und Remos Fiberskyns bis zu 30% günstiger!

Fazit

Wer ein authentisches Vintage-Feeling sucht und Wert auf Langlebigkeit legt, ist mit den Adoro Heritage Fellen besser beraten. Die Evans Calftone klingen gut – solange sie halten. Für den ernsthaften Studio- und Bühneneinsatz, gerade mit Besen, ist das schlicht zu wenig.

Chris Redus erklärt seine Erfahrungen mit den Adoro Heritage Fellen im folgenden Video:


Wer Adoro Felle nicht kennt und glaubt, dass die Heritage Felle von Evans inspiriert seinen: tatsächlich fertigt Adoro diese Felle bereits seit 2011, also fünf Jahre, bevor Evans seine Calftone Heads einführte. Dass diese dennoch nicht so bekannt sind, muss wohl darauf zurück zu führen sein, dass man sie nicht so ohne weiteres überall kaufen kann. Zumindest in Deutschland kann man sie aber inzwischen schon in mehreren Läden erstehen, zb. bei Zoundhouse und Shop2rock, international zumindest bei Amazon sowie bei Adoro direkt, in Kanada bei dem Musikhändler Long & McQuade.  Bleibt zu wünschen, dass sich hier auch mal die Qualität durch setzt, für mich sind diese Felle schon jetzt die größte Neuerung, welche die Branche in den letzten 30 Jahren hervor gebracht hat! Besser haben meine Drums nie geklungen, und ich muss dafür weder neue Drums noch irgendwelche teuren Gadgets kaufen, einfach nur die Felle wechseln!

Christoph Schmieding

Aufgewachsen als Gemeindemusiker, trommelt Chris heute in verschiedenen Projekten im Bereich Singer/Songwriter, Gospel, Jazz und Improvisationsmusik. Chris ist Teil der Mosaik Community Düsseldorf, die im Rahmen ihrer "Kulturbühne" regelmäßig Konzerte mit bekannten Künstlern in Wohnzimmer Atmosphäre organisiert.