Warme Stimmung: was ist es, und warum will ich es?

TL;DR:

Warme Stimmung bezeichet, wenn man eine Trommel am Reso-Fell ca. eine Terz höher stimmt als das Schlagfell, und dadurch Obertöne eine Oktave unter dem Grundton erhält.

 

Alles Phett, oder was?!

Viele Drummer wollen, dass ihre Drums schön „phett“ und warm klingen. Ihre Lösung lautet daher, alle Felle so tief wie möglich zu stimmen. Kann schon nicht verkehrt sein, oder? Immerhin wird diese Art zu stimmen auch in diversen Online-Drum-Tutorials gelehrt, welche millionen von Views haben, wird also schon nicht verkehrt sein?!

Please. Don’t.

Ich möchte hier einen besseren Weg aufzeigen, wie man mit der richtigen Stimmung wirklich einen phetten, warmen Sound hin bekommt.

Es gibt nur drei Möglichkeiten, eine Trommel (mit zwei Fellen bestückt) zu stimmen:

1. resonante Stimmung: Schlagfell und Resonanzfell auf die selbe Tonhöhe gestimmt
(warum das keine gute Idee ist, dazu gleich)

2. flache Stimmung: Schlagfell höher gestimmt als das Resonanzfell.
(Dies resultiert in einem relativ hohen und zu dünnen Klang für unseren anvisierten Sound, darum gehen wir nicht weiter drauf ein)

3. warme Stimmung: Resonanzfell höher gestimmt als das Schlagfell.

 

Die meisten Drummer tendieren sicherlich zur resonanten Stimmung; es ist wohl die populärste Art zu stimmen. Aber sie hat Nachteile:

  • Beide Felle auf die gleiche Stimmung zu bringen verlängert das Sustain der Trommel, oft unkontrollierbar. Um es zu verkürzen, muss man entweder die Felle in sich oder gegeneinander (flache/warme Stimmung) verstimmen, oder Werkzeuge verwenden:
  • Das Abdämpfen der Trommel mit Moongel oder anderem Zeugs gibt dir wieder Kontrolle über das Sustain bei resonanter Stimmung, aber es verstärkt auch den Attack, welchen wir eigentlich nicht möchten (bei einem warmen, vollen Ton), und es dämpft nicht nur die Obertöne ab, sondern auch den Ton, den wir eigentlich hören wollen. Im Resultat klingt die Trommel dumpfer und leblos.
  • Dumpf klingende Drums mögen live gut funktionieren, und tatsächlich klingen solche Drums oft, wenn verstärkt und mit Nahbesprechungseffekt versehen, imposant. Aber bei normaler Lautstärke wiedergegeben fällt auf, dass die Drums immer noch dumpf und leblos klingen. Lautstärke und Nahbesprechungseffekt mögen uns live die Illusion eines guten Schlagzeugsounds geben. Das erklärt allerdings auch, warum Live-Aufnahmen oft so sehr unterschiedlich von Studioaufnahmen klingen, selbst, wenn die Performance perfekt ist. Darunter leidet die komplette, sonst vielleicht perfekte Aufnahme – der Drum Sound hat nun einmal einen großen Anteil am Gesamtsound.
  • Der größte Nachteil ist allerdings, dass die Drums nicht wirklich so warm und tief klingen, wie es ihnen technisch möglich wäre, denn wenn wir resonant stimmen, und wirklich tief, erleben wir, dass der Bass sich durch Phasenverschiebungen gegenseitig auslöscht durch asynchron schwingende gleichgestimmte Felle. Mikrofoniert bzw von Nahem mag das nicht auffallen, aber schon wenige Schritte entfernt fällt auf, dass die Drums zunehmend dünner und lärmiger klingen, anders als eigentlich erwartet. Dies resultiert in Problemen bei Übersprechungen auf andere Mikrofone bzw. den Bühnensound. Das ist so häufig der Fall heutzutage, dass man Drums fast schon reflexmäßig hinter Acrylwände, Soundkabinen oder gleich in seperate Räume steckt, die klanglich vom restlichen Studio entkoppelt sind, um Einsprechen (bleedings) in andere Mikrofone zu verhindern. Live erhält man mit Drums nur einen wirklich fetten Sound, wenn man den akustischen Klang der Drums übertönt…

Also, mal sehen, was wir mit der warmen Stimmung erreichen können….

Die warme Stimmung erhält ihren Namen von dem Effekt, welchen man erhält, wenn man das Resonanzfell deutlich höher als das Schlagfell stimmt, und zwar in etwa eine Terz höher. Je mehr man sich an diesen Wert annähert, desto mehr „Low End“, tiefen Bass, erhält der Sound, daher der Name: Warme Stimmung.

Powerchord
Powerchord auf der Gitarre

Was genau passiert hier? Wie schon erwähnt, versuchen die meisten Drummer intuitiv, einen tiefen Drum Sound allein durch tiefes Stimmen aller Felle zu erreichen, das resultiert aber in einem eher flachen, dünnen Sound (s.o.). Normalerweise werden nun die Felle noch zusätzlich abgedämft, um nun das unkontrollierte Sustain und die Obertöne kontrolliert zu bekommen, und somit die Ilusion eines tieferen Klanges (tatsächlich bedeutet eine Reduktion der Obertöne aber lediglich weniger Obertöne, nicht einen tieferen Ton als vorher; wir empfinden es lediglich subjektiv als tiefer). Wenn wir warm stimmen, nutzen wir die Gesetze der Physik für uns: die meisten von uns wissen sicher, was ein Power-Chord auf der Gitarre ist. Das ist ein Grundton, zusammen gespielt mit der Quinte; die daraus resultierenden harmonischen Obertöne entsprechen denen einer Oktave unter dem Grundton: man spielt zwei Töne, hört aber drei.

Diese Funktion machen wir uns zu Nutze. Da allerdings eine Trommel mit zwei Fellen, mit einer Röhre verbunden (dem Kessel) das Schwingungsverhalten der Felle stark gegenseitig beeinflusst, stimmen wir hier nicht auf die Quinte, der gewünschte Effekt kommt bereits bei etwa einer Terz. Wie sich das ganze genau physikalisch verhält, kann sicher Nils Schröder, auch Gastautor hier, weitaus eloquenter als ich erleutern, daher will ich es bei dieser laienhaften Erklärung bewenden lassen, und hoffe, dass ihr mir hier einfach glaubt und es selber ausprobiert…

Ein Beispiel:

Stellen wir uns vor, wir würden eine Floortom exemplarisch auf 100Hz stimmen, und das Resonanzfell entsprechend auf 130Hz (Terz). Die aus dieser Kombination resultierende harmonische Obertonreihe liegt bei 50Hz, die Oktave zum Grundton, was der Trommel eine Menge Low End gibt. Speziell kleine Drums klingen so riesig und ziemlich großartig. Mit der resonanten Stimmung wird man kaum so tief stimmen können.

Aber was passiert, wenn man die Drums abnimmt und verstärkt oder aufzeichnet?

Bei Nahabnahme der Trommel würde man, im Beispiel der Floortom, nur die 100hz abnehmen und, dank Nahbesprechungseffekt, einen netten Boost der Bässe und tieferen Mitten erhalten, ähnlich wie bei der resonanten Stimmung. Das ist, was die meisten Tontechniker live haben wollen. Aber die Trommel produziert ja nun noch Obertöne bei 50Hz, welche man erst einige Dezimeter entfernt von der Trommel, also jenseits des Nahbesprechungseffekt, abgreifen kann. Dein Set klingt nun nicht nur bei den Aufnahmen fett, sondern auch schon live auf der Bühne oder im (Studio)Raum; plötzlich sind Übersprechungen auf anderen Mikrofonen kein Problem mehr, sie geben dem SOund mehr Fülle und lassen die Drums authentischer und komplexer, lebhafter und balancierter klingen. Darum verwenden gute Tontechniker im Studio meistens Raummikrofone für die Abnahme der Drums, und die Close Mikes nur noch zur Kontrolle und gelegentlichem Nachjustieren.

Zu wenige Drummer wissen über die Physik der Trommeln, und versuchen, den tiefen Sound durch möglichst tiefes Stimmen möglichst großer Trommeln zu erreichen. Die warme Stimmung funktioniert allerdings bei kleineren Drums umso besser. Perfekte Größen für diese Stimmung sind 8-14″ für die Toms. Man kann auch die warme Stimmung bei der Bass Drum verwenden, aber wenn man sie ncht abnimmt, kann man auch versuchen, mit dem Resonanzfell die Frequenz einer Raumnode zu treffen (eine Frequenz, welche den Raum besonders laut resnieren lässt), falls sie nicht laut genug ist. Aber darauf kommen wir gerne in einem andere Workshop zurück.

Je größer die Trommel, desto mehr Attack erhält man, und es wällt uns schwerer, die tonalen Unterschiede zwischen ihnen zu hören; große, tief gestimmte Toms klingen irgendwie alle gleich, dank dem dominanten Attack.

Wie sollte man die Drums nun am besten mikrofonieren?

Wenn ein Drum Set gut klingt, akustisch, unverstärkt, wird das Mikrofonieren denkbar einfach: vergiss alles, was du über das Mikrofonieren von Drums gelernt hast, und stell dir einfach vor, du nimmst ein beliebiges akustisches Instrument ab, deren Klang so naturgetreu wie möglich abgenommen werden soll. Ein einzelnes Kondensatormikrofon auf der Position des zweiten Tom, auf Bass Drum und Snare ausgerichtet (Schmutzmikro) mag schon ausreichen, um das komplette Drum Set gut balanciert für eine Live Performance abzunehmen. Es lohnt sich, das Schlagzeug für diese Abnahme zu optimieren, vor allem, wenn man viel akustisch und wenig verstärkt spielt. Overheads, wie oft verwendet, würden wegen ihrer Nähe an den Becken diese meist deutlich zu laut abnehmen.

Mikrofoniert man andere akustische Instrumente, gilt die Regel, dass man möglichst 20-30cm vom Instrument entfernt abnehmen sollte, da man sonst riskiert, den Klang der Aufnahme zu sehr zu verfälschen. Beim Drum Set ist meist genau das, was wir wollen, aber nur, wenn wir es mit semi-akustischen Drums zu tun haben (Stage Drums). Wir nutzen den Nahbesprechungseffekt, um die akustisch eher dünn klingenden Drums mit einem Bass Boost zu versehen. Aber nun haben wir dem Drum Sound eine Oktave unter unserem Grundsound hinzugefügt; um diesen Bass mit bei der Abnahme zu haben, müssen wir umdenken und die Drums wieder wie ein richtiges akustisches Instrument behandeln!

Akusische VS Semiakustische Instrumente

Instrumente, welche wir nah, oder sogar innen mikrofonieren, sind semiakustisch. Der Klang, den wir durch Nahmikrofonierung bekommen, unterscheidet sich stark vom akustischen Klang des Instruments. Glaube mir, jeder Instrumentenbauer, der sehr viel Zeit und Arbeit in den Bau eines akustischen Instrumentes gesteckt hat, wird wenig begeistert sein über die Aussicht, dieses intern mikrofoniert zu sehen. Denn dies macht jedes akustische Instrument zu einem semiakustischen, und verfremdet den Klang drastisch.

In diesem Sinne haben wir meist unsere Drums falsch abgenommen, bzw wir behandeln sie wie semiakustische Instrumente. Und tastächllich gehen heute die Hersteller von Drums generell davon aus, dass diese eben so mikrofoniert werden. Das mag okay sein, wenn wir Drummer bei AC/DC sind mit entsprechendem Bühnensound, und generell immer so laut spielen können, wie wir wollen. Aber wir hatten einen langen Weg seit den 70ern; wir haben heute kleinere Gitarren- und Bass Amps, Ampsimulatoren, In-Ear-Monitorsysteme, und oft sind die Drums das einzige Instrument, das noch auf der ansonsten stillen Bühne zu hören ist. So, wie wir bisher „für das Mikrofon“ gestimmt haben, ignoriert den Fakt, dass unser Instrument in erster Linie ein akustisches ist, und dass wir uns in einem Raum befinden, auf den man sich akustisch einstellen und ggf auch stimmen muss. Drums wurden als semi akustische Instrumente behandelt, und nicht lediglich lauter gemacht oder abgenommen.

Wenn wir nun eine leisere Bühne haben wollen für einen besseren Sound bei den Veranstaltungen, müssen wir die Drums nicht abkleben und möglichst leise machen; wir müssen lediglich realisieren, dass die Drums in einem Raum gespielt werden, welchen wir in unsere Kalkulation mit einbeziehen müssen. Das Schlagzeug auf eine Art zu stimmen, dass es voll und warm im Raum klingt macht die Mikrofonabnahme optional. Das bedeutet es, sein Schlagzeug tatsächlich wie ein akustisches Instrument zu behandeln.

Der nächste Schritt ist, sich Becken raus zu suchen, die klanglich passen. Leiser bedeutet hier größer, dunkler im Sound. Und wo wir schon dabei sind, habe ich schon erwähnt, dass sich kleine Drums (sofern nicht billig/schlecht verarbeitet) sehr gut für die warme Stimmung eignen? Generell haben akustische Instrumente eine relativ geringe Toleranz, was ihre baulichen Dimensionen angeht. Bestimmte Maße funktionieren nun einmal besser für den anvisierten Sound als andere, und manche Maße machen es nahezu unmöglich, den erwünschten Sound akustisch zu realisieren. Wir sind es aber gewohnt, dies mit Mikrofonen und Technik zu kompensieren, und erheben groß dimensionierte Schlagzeuge auf einen Olymp, wir müssen wieder realisieren, dass, wenn wir akustisch spielen, kleine Maße besser funktionieren. Warum?

Stimmen wir große Drums tiefer, mögen wir vielleicht eine Terz tiefer kommen als mit einem kleineren Drum Set, aber dank der warmen Stimmung haben wir ja bereits dem Sound eine tiefere Oktave hinzugefügt; auf kleineren Drum Sets bekommen wir einen klareren, definierteren Sound auch in der unteren Oktave. Gehen wir stimmtechnisch nun deutlich tiefer, verlieren wir diese leider wieder – der Sound wird weniger definiert, matschiger, und unsere Oktave wandert in den für menschliche Ohren nicht mehr wahrnehmbaren Bereich.

Speziell bei kleinen Drum Sets wird die Warme Stimmung ein Lächeln auf das Gesicht deiner Bandmitglieder und deines Publikums zaubern. Und dein Tontechniker wird es lieben, dass dein Sound nun weit weniger Geschraube erfordert…

Ein warm gestimmtes Kinderschlagzeug (6/8/10″ TT, 12″ FT, 10″ SD, 16″ BD)

Über Stefan Korth 3 Artikel
Stefan Korth was founder of the drum building community dertrommelbauer.de (R.I.P.), CEO of customdrums.de and supplyer of roughly a thousand drum makers with drum parts and shells. Being a church drummer himself, his interest in drums have always been focused on low volume drumming in difficult acoustic situations. He first started building drums age 15, and took the chance in 2007 to turn his career around - he was a well established graphic designer with his own advertisement company - and started all over with building drums, or as he would put the emphasis: real acoustic drums. Adoro Drums, the company that evolved from all that, has since won several prices and nominations for best instrument. Stefan also gives workshops on drum building and tuning, and has been helping legion churches and theaters to get rid of edrums and drum cages.

5 Kommentare

    • Ja, hast recht, war ein Fehler meinerseits, ist berichtigt worden. Erfahrungsgemäss liege ich bei mir meist bei etwa einer Terz; die Quinte wäre es bei Saiteninstrumenten etc, aber dank der zylindrischen gekoppelten Bauweise verhalten sich die Felle deutlich anders als einzelne Trommeln etc. Ich werde das beim Übersetzen des Artikels noch mit einarbeiten….

  1. Meine bevorzugte Stimmung liegt bei ziemlich genau einem halbton höher gestimmten Resofell. Hier bekomme ich (flache Birkenkessel mit eher scharfer Gratung, Ambassador Coated batter, Ambassador Clear Reso) den vollsten, resonantesten und druckvollsten Ton. Das Intervall, in dem meine Kombi aus Trommeln und Fellen sich hierbei wohlkfühlen ist zugegeben recht klein und bewegt sich im mitteltiefen bis mittleren Bereich. Ganz tief und alles über medium mag die Kombi nicht – aber das ist zum Glück genau der Bereich, den ich persönlich auch ansprechend finde, Toms dürfen für mich satt und bassig ausklingen. Für schöne, feine und höhere Obertöne habe ich ja meine Snare.

    Eine Amerkung:

    Ein Oberton ist doch meinem Verständnis nach ein höherfrequenter als der fundamentale Ton, oder nicht? Ich verstehe nicht, wie ich mit eine leicht höhere nStimmung den fundamentalen Ton von 100Hz auf 50Hz herunterbringen soll.

    Dazu eine kleine Story: Man kann z.B. am Bass den Eindruck eines tiefer gespielten Tons erreichen, indem man die Seite auf der Hälfte ihrer Schwingungslänge anzupft. (Dabei muss natürlich die Griffposition miteinbezogen werden.) Das bewirkt, dass die fundamentale Grundschwingung (halbe Wellenlänge = Länge des schwingenden Saitenabschnittes) und alle UNGERADEN Obertöne normal stark durchkommen, jedoch GERADEN Obertöne reduziert werden, da diese alle einen Schwingungsknoten an der STelle besitzen, die man gerade anzupft. Da die Lautstärke / der Anteil der Obertöne mit steigender Frequenz abnimmt, ist der tiefste Oberton der prominenteste. Wenn nun also der erste Oberton wegfällt (dieser ist ein gerader, bei genau der doppelten Frequenz, Schwingungsknoten am Amplituden-Anregungspunkt, wird also nicht angeregt), dann verlagert sich das Gesamtgewicht des Klangs hin zu tieferen Tönen. (Der tiefste Ton fällt ja nicht weg!)

    Bei diesem Fall bin ich mir ziemlich sicher, dass man durch die Stimmung der Trommel ein psychoakustisches Phänomen ausnutzt, das dem Gehör, das SEHR STARK auf Obertöne ausgerichtet ist und diese miteinbezieht, um die Tonhöhe eines Klangs zu bestimmen vorgaukelt, es würde ein tieferer Ton gespielt. Tatsächlich emulieren wir jedoch nur das Obertonspektrum eines tieferen Tons und machen nicht tatsächlich den fundamentalen Ton eine Oktave tiefer. Das passiert nämlich physikalisch gesehen einfach nicht. 🙂 Tiefer als der tiefste Ton geht nicht, der wird einfach von der maximalen Wellenlänge (also der Größe) des Schwingungsmediums (und in diesem Fall von der Straffheit des Fells) diktiert. Wir stimmen aber sicherlich überein, dass ein strafferes Fell nicht einfach eine tiefere Oktave aus dem Hut zaubern wird. 😉

  2. Wikipedia sagt dazu:
    „Obertöne (auch Partial- oder Teiltöne, seltener Aliquottöne, Nebentöne oder Beitöne)[1] sind die neben dem Grundton mitklingenden Bestandteile nahezu jedes instrumental oder vokal erzeugten musikalischen Tons. Ein solcher ist nämlich fast immer im akustischen Sinne gar kein Ton (Sinuston),[n 1] sondern ein Klang oder Tongemisch, also ein Schallereignis, das sich vorrangig aus mehreren sinusförmigen Teiltönen zusammensetzt. Der tiefste Teilton wird Grundton genannt und bestimmt in den meisten Fällen die wahrgenommene Tonhöhe, während die übrigen Teiltöne, die Obertöne, die Klangfarbe beeinflussen.“

    So gesehen hast du recht, bei einem einzelnen Ton ist der Grundton der tiefste Ton, Obertöne also alles da drüber. Beim Zusammenklang zweier Töne allerdings passiert tatsächlich, dass man nun einen neuen Oberton dazu erhält, der unter dem Grundton liegt, was erklärt, dass der Klang so „warm“, basslastig wird. Da Obertöne als die Töne benannt werden, die nicht der Grundton sind, ist folglich auch dieser neue Ton ein Oberton; wie man ihn aber bezeichnet, ist letztlich egal, wichtig ist nur, dass es ihn gibt, und wie man ihn erzeugt, um einen fetten Sound zu bekommen!

    Dein Vergleich mit dem Bass hinkt ansonsten leider, denn eine Trommel hat eine Membran, und keine Saite, und die verhält sich nicht gleich. Schon die Tatsache, dass die Felle durch eine Röhre verbunden sind und sich so gegenseitig beim Schwingen beeinflussen ist sehr eigen und nicht mit Saiten reproduzierbar.

    Und dass tatsächlich nicht nur der Eindruck eines tieferen Klanges entsteht, sondern dieser tatsächlich physikalisch da ist, das Phänomen kennt jeder Tontechniker, und man kann es auch leicht belegen mit einem Spektralanalizer. Einen Chor zB. wird man nicht mit einzelnen Mikrofonen abnehmen, sondern immer mit – mehreren – Raummikrofonen, um genau diesen Effekt mit einzufangen.

    Bei einer Trommel das selbe – wenn du am Schlagfell abnimmst, wirst du nur die 100Hz hören, am Reso die 130Hz (oder was auch immer da gestimmt ist); den Oberton eine Oktave tiefer greifst du erst mit einigem Abstand zur Trommel ab, wenn du beide Felle gemeinsam hörst. Es ist also kein Effekt, der erst im Ohr entsteht.

    Man kann sich das wohl vorstellen, wie wenn man unterschiedlich schnelle Wellen im Planschbecken generiert; dort, wo sie aufeinander prallen, entstehen diverse Mischwellen, einige davon werden tatsächlich tiefer als die Ausgangswellen.

    Im Ozean geschieht das übrigens auch; lange rätselte man, wie „Freak Waves“ entstehen, hochhaushohe Wellen, die Ozeanriesen einfach mit sich reissen… das Prinzip ist da m.W. ähnlich, und geschieht in manchen Gebieten nahe der Küste häufiger.

    Zurück zur Akustik, man kann ja auch Klangwellen komplett auslöschen durch phasenverschobene Dopplung – so funktionieren Noise-canceling-devices. Warum sollten zwei Klangquellen sich nicht auch wie oben beschrieben beeinflussen können?

    • Aaah, okay. Danke vielmals für die Erklärung!

      Ich bin inzwischen tatsächlich auch auf der Seite der höher gestimmten Resofelle. xD

      Für alle Mitlesenden: ich verstehe den genauen physikalischen Hergang nicht, nach dem eine tiefere Präsenz an Tönen (oder gar ein tieferer Grundton, in diesem Zusammenhang zweier zusammenspielender Ausgangs-Grundtöne auch Oberton genannt) erzeugt wird – aber es funktioniert.

      Danke und weiter so! 🙂

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